Das weiße Gold

Ein ganz besonderes, leicht gelbliches Sekret aus den Milchdrüsen von Säugetieren für ihre Säuglinge wird oft als „das weiße Gold“ bezeichnet. Dieser Name kommt nicht von ungefähr, denn bis heute kann keine industriell hergestellte Säuglingsnahrung die natürliche Zusammensetzung der Muttermilch vollständig nachbilden.

Muttermilch ist ein lebendiges Lebensmittel. Sie verändert sich während der Stillzeit kontinuierlich und passt sich den Bedürfnissen des Säuglings an.

Dabei ist Muttermilch nicht gleich Muttermilch. Ihre Zusammensetzung unterscheidet sich von Art zu Art und sogar innerhalb derselben Spezies. Bei Menschen kann sie sich unter anderem je nach Entwicklungsphase und sogar nach dem Geschlecht des Kindes unterscheiden.

Das macht Muttermilch zu einer hochspezialisierten Nahrung – genau abgestimmt auf den jeweiligen Nachwuchs.

Laktoseintoleranz – eine Krankheit?

Mit zunehmendem Alter stellt der Körper bei vielen Menschen die Produktion des Verdauungsenzyms Lactase nach und nach ein. Dieses Enzym wird benötigt, um Milchzucker (Laktose) zu verdauen. Wird nur noch wenig oder gar keine Lactase gebildet, kann eine Laktoseintoleranz entstehen.

Laktoseintoleranz ist deshalb keine Krankheit, sondern ein natürlicher biologischer Prozess. Weltweit betrifft sie den größten Teil der erwachsenen Bevölkerung. Nach Angaben der WHO sind in Teilen Afrikas und Ostasiens bis zu über 90 Prozent der Erwachsenen laktoseintolerant, während der Anteil in Europa deutlich geringer ist. Häufig entwickelt sich die Unverträglichkeit erst im Jugend- oder Erwachsenenalter.

Wenn Frauen ihre Milch mit High Protein Werbung im Supermarkt verkaufen könnten, würdest Du sie kaufen?

Kuhmilch unterscheidet sich nicht nur in ihrer Eiweißzusammensetzung und ihrem Mineralstoffgehalt deutlich von menschlicher Muttermilch. Während menschliche Muttermilch das Kind zusätzlich mit Immunglobulinen, Lactoferrin und weiteren bioaktiven Bestandteilen versorgt, ist Kuhmilch auf die Bedürfnisse eines schnell wachsenden Kalbes abgestimmt.

Die Unterschiede zwischen menschlicher Muttermilch und Kuhmilch sind deutlich größer, als vielen Menschen bewusst ist.

Na, heute schon gebläht?

Viele Menschen reagieren nach dem Verzehr von Kuhmilchprodukten mit Völlegefühl, Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Manche berichten außerdem von Juckreiz, Hautproblemen oder entzündlichen Beschwerden. Oft signalisiert der Körper damit, dass er Milchzucker oder Milcheiweiß nicht gut verträgt.

Dass ein Großteil der Weltbevölkerung Milch nicht problemlos verträgt, zeigt: Eine eingeschränkte Milchverträglichkeit ist eher die Regel als die Ausnahme.

Dennoch hält sich bis heute hartnäckig die Vorstellung, Kuhmilch sei für jeden Menschen ein unverzichtbares Lebensmittel.

Deshalb stellt sich eine einfache Frage:

Warum trinken wir eigentlich die Muttermilch von Kühen?

Kuhmilch gehört heute für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Speiseplan. Das war jedoch nicht immer so.

Erst als es vor rund hundert Jahren möglich wurde, Milch länger haltbar zu machen und industriell zu verarbeiten, entwickelte sie sich zu einem Massenprodukt. Mit geschicktem Marketing entstand nach und nach das Bild, dass Kuhmilch ein unverzichtbarer Bestandteil einer gesunden Ernährung sei.

Dabei bleibt eine einfache Tatsache bestehen: Kuhmilch ist Säuglingsnahrung – allerdings für Kälber.

Hast du eigentlich schon einmal frische, unbehandelte Kuhmilch getrunken?

Ich durfte vor einigen Jahren auf einem Bauernhof beobachten, wie ein Freund nach nur einem Glas frisch gemolkener Kuhmilch innerhalb kürzester Zeit starke Magen-Darm-Beschwerden bekam. Heftiger Durchfall und Erbrechen setzten fast unmittelbar ein und plagten ihn noch die ganze Nacht.

Natürlich reagiert nicht jeder Mensch so deutlich. Dennoch zeigt dieses Erlebnis, wie unterschiedlich unser Körper auf Kuhmilch reagieren kann. Blähungen oder Bauchschmerzen werden häufig als normal hingenommen.

Ist es wirklich eine Erkältung?

Viele Eltern beobachten, dass ihre Kinder immer wieder unter Husten, Schnupfen oder verschleimten Atemwegen leiden. Häufig wird dies als gewöhnliche Erkältung oder auch als allergische Reaktion auf etwas eingeordnet.

Die Symptome werden wissenschaftlich unterschiedlich bewertet. Unabhängig davon berichten viele Menschen, dass sich Husten, verschleimte Atemwege oder Hautprobleme nach dem Verzicht auf Kuhmilch deutlich bessern und sogar ganz verschwinden.

Wer unter wiederkehrenden Beschwerden leidet, kann deshalb versuchsweise für einige Wochen auf Kuhmilch verzichten und beobachten, wie der eigene Körper reagiert. Oft liefert die persönliche Erfahrung die eindeutigste Antwort.

Neben den gesundheitlichen Fragen gibt es jedoch noch einen weiteren Aspekt, über den deutlich seltener gesprochen wird: Pflanzenpower.

Sind pflanzliche Eiweiße eine adäquate Alternative?

Eiweiße (Proteine) sind lebenswichtig, denn wir bestehen daraus. Zudem sind sie an zahlreichen Prozessen im Körper beteiligt.

Entscheidend ist jedoch nicht nur, dass wir Proteine aufnehmen, sondern auch aus welcher Quelle wir sie aufnehmen und aus welcher Zusammensetzung sie sind.

Zu viel Eiweiß – egal ob tierischer oder pflanzlicher Herkunft – belastet den Körper. Überschüssiges Eiweiß muss unter hohem Energieaufwand verarbeitet und umgebaut werden. Das belastet die Leber. Eine ausgewogene Versorgung ist daher der sinnvollste Weg.

Unser Körper braucht Eiweiß – aber nicht aus Kuhmilch.

Pflanzliche Eiweißquellen wie Linsen, Bohnen, Erbsen oder Soja liefern hochwertiges Protein sowie Ballaststoffe, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Sie versorgen den Körper mit allem, was er braucht, und sind für viele Menschen sehr gut verträglich.

Besonders hervorzuheben ist die bei uns stark verbreitete Lupine. Ihr Eiweiß enthält alle essenziellen Aminosäuren in einem ausgewogenen Verhältnis und es gilt als besonders hochwertig. Gleichzeitig ist sie vielseitig verwendbar und eine interessante Alternative zu tierischen Eiweißquellen.

Kleine Tipps mit großer Wirkung:

Blähungen lassen sich gänzlich vermeiden, wenn die pflanzlichen Alternativen nicht zusammen mit Kuhmilch verarbeitet und verzehrt werden und wenn sie für 24 Stunden vor dem Verzehr in Wasser eingeweicht werden (Wasser dann wegschütten und mit frischem Wasser zubereiten).

Es gibt Lupinenkaffee, der – wie ich finde – eine leckere Abwechslung zu herkömmlichen Kaffee sein kann. Zudem ist er koffeinfrei.

Die gute Nachricht ist letztendlich: Dein Körper hat vielfältige Optionen.

Die milchfreie Küche ist vielfältig, kreativ und geschmackvoll und gut für das Tierwohl. Kulturen auf der ganzen Welt zeigen seit Jahrhunderten, dass Genuss, Gesundheit und eine ausgewogene Ernährung auch ohne Kuhmilch problemlos möglich sind.

Vielleicht geht es gar nicht darum, auf etwas zu verzichten, sondern etwas Neues zu entdecken.

Wer offen ist, seinem Körper zuzuhören und neue Lebensmittel auszuprobieren, wird schnell feststellen, wie abwechslungsreich die pflanzliche Küche sein kann.

Die Frage ist deshalb nicht, ob wir Kuhmilch brauchen – sondern, ob wir sie wirklich vermissen.